Die vielfältige Kultur von Basel ist für mich persönlich sehr wichtig. Ich gehe häufig in Konzerte, ins Theater, ins Kino, ich schätze das Literaturfestival, ich liebe die zahlreichen interessanten Kunstausstellungen in Basel und die vielen Museen. Und ich freue mich darüber, dass auch meine erwachsenen Kinder kulturell sehr interessiert sind und diese Kulturangebote nutzen – nicht beide alles, aber beide Unterschiedliches.

Die Kultur ist auch für eine Gesellschaft, für eine Stadt wichtig – in erster Linie für die Menschen, die hier leben. Kulturpolitik – die Unterstützung der Kultur durch den Staat ­ ist ein Teil des Service public – man bekommt in Basel etwas für die Steuern, die man zahlt. Es ist wichtig, dass der Staat neben den privaten Geldgebern als Vertreter der Öffentlichkeit die Kultur unterstützt. Basel gibt viel aus für die Kultur, aber es sind meiner Meinung nach sinnvolle Ausgaben. Auch für die Wirtschaft ist die Kultur wichtig: Touristen kommen wegen unserem grossen kulturellen Angebot nach Basel. Sie geben hier Geld aus und das schafft Arbeitsplätze. Und auch für unsere grossen Firmen ist das vielfältige kulturelle Angebot ein gutes Argument, um Spitzenkräfte davon zu überzeugen, nach Basel zu kommen.

Basel wird zur Zeit kulturell als dynamisch, gut aufgestellt und erfolgreich wahrgenommen. Es ist deshalb zuerst wichtig, das zu erhalten. Ich stehe deshalb für Kontinuität und Sicherheit in der Kulturpolitik – das ist nicht so banal, wie es tönt. Natürlich darf man immer wieder gewisse Dinge hinterfragen. Man muss immer im Auge behalten: Vieles funktioniert nur in einem Geflecht von staatlicher und privater Unterstützung und ist anfällig auf unüberlegte Änderungen. Zerstört ist etwas rasch, wieder aufbauen ist schwieriger.

Mir ist es wichtig, die Mittel für die Kultur zu sichern, immer wieder genau zu prüfen, wo sie eingesetzt werden und über Umverteilungen nachzudenken, aber mit klaren Akzenten im Rahmen einer Strategie (Kulturkonzept).

Ich will das Kasernenprojekt zum Fliegen bringen. Es ist auch im Zusammenhang mit den verschiedenen Kulturakteuren ein wichtiges Projekt; es darf nicht von den Bürgerlichen durch ein billiges Wahlkampf-Referendum zu Fall gebracht werden. Bei einer Ablehnung des jetzigen Projekts stünden wir wieder am Punkt Null und müssten wieder von vorne anfangen.

Basel ist das Zentrum einer Kulturregion, wir müssen die Kulturpartnerschaft ausbauen:

Ich strebe eine vielfältige und lebendige Kulturregion an. Dazu gehört nicht nur Baselland und die Nordwestschweiz, sondern auch das elsässische und badische Einzugsgebiet. Bei der Sicherung der Mittel ist natürlich die Zusammenarbeit mit Baselland zentral. Möglicherweise müssen wir aber neue Lösungen suchen, um diese Mittel längerfristig zu sichern.

Für die Jugend ist wichtig, dass kostenlose Angebote und eine entspannte Nutzung des öffentlichen Raums erhalten bleiben. Freiräume sind wichtig für das Entstehen von Kultur und müssen immer wieder neu entstehen. Der Staat ist hier in einer paradoxen Situation: Freiräume zeichnen sich gerade durch eine Abwesenheit von staatlicher Regulierung aus.

Andererseits muss der Staat aber ermöglichen, dass Freiräume entstehen können. Es ist vielleicht vergleichbar mit der Dreifelderwirtschaft in der Landwirtschaft: Der Staat muss immer mal wieder Brachflächen eine Zeit lang sich selbst überlassen, damit Neues entstehen kann.

Was sind die Themen der Zukunft?

Ziel muss es sein, Kultur allen zugänglich zu machen – d. h. vor allem die nicht so kulturaffinen Schichten und die ausländische Bevölkerung für kulturelle Angebote und kulturelle Aktivitäten zu gewinnen. Die Kultur kann eine zentrale Rolle für die Integration der Gesellschaft spielen. Hier kann und muss man in Zukunft mehr tun.

Zwar sind Neubauten errichtet (Erweiterung des Kunstmuseums) oder geplant (Stadtcasino, Naturhistorisches Museum), aber wir dürfen nicht stillstehen und müssen auch strukturell in die Zukunft denken. Ich glaube weniger, dass es in naher Zukunft im Hafen eine Museumsinsel geben wird, wie das die junge FDP meint. Einen Cluster für innovative kleine Akteure zu schaffen, könnte aber durchaus ein Weg in die Zukunft sein und da ist im Dreispitz einiges im Tun, das in diese Richtung gehen könnte.

Elisabeth Ackermann

Basel, den 6. September 2016